Stellungnahme des Rates für Stadtentwicklung Berlin zu den Hochhausplanungen am Alexanderplatz in ihrer Wirkung auf den Fernsehturm sowie zur Gestaltungsqualität und Angebotsvielfalt des Ortes 

Der Fernsehturm ist ein überregional bedeutsames Stadtzeichen Berlins, dessen Fernwirkung bei allen künftigen Hochhausplanungen in dessen weiteren Umfeld zwingend zu beachten ist. 

Der Alexanderplatz ist vom wichtigsten und verkehrsreichsten Platz im Zentrum Ostberlins zu einem bedeutenden gesamtstädtischen Ort geworden. Im Ergebnis der Planungsgeschichte seit 1990 befindet sich der Platz in einem permanenten Wandel, dessen Abschluss derzeit nicht absehbar ist. Der Alexanderplatz als Hochhausstandort steht mehrheitlich außer Zweifel, zu einzelnen Planungen besteht aber aktueller Verständigungsbedarf. Nachdem es seit Festsetzung der ersten Bebauungspläne 1999 eine lange Ruhephase gab, entstehen seit einigen Jahren die ersten neuen Hochhäuser nach dem 2015 überarbeiteten Masterplan. 

Für den Rat für Stadtentwicklung war es irritierend, dass es bei dem laufenden Hochhausbau am Kaufhaus am Alexanderplatz ohne einen demokratischen Prozess und ohne städtebauliche Begründung zu einer nachträglichen Planungsänderung bezüglich der Gebäudehöhe gekommen ist. Offen ist zudem, ob dadurch eine planungsrechtlich negative Vorbildwirkung für künftige Vorhaben entsteht. Im Masterplan für den Alexanderplatz wird eine dreigeteilte vertikale Ordnung vorgegeben, die durch die meisten laufenden und geplanten Projekte nicht umgesetzt wird. Deshalb hält der Rat es aktuell für sinnvoll und erforderlich, eine erneute Debatte über laufende und künftige Projekte anzustoßen. 

Unsere Forderung: 

In einem fachöffentlichen Dialogprozess mit Senat und Bezirk sollen die wesentlichen Fragen und Konsequenzen der Planungsänderungen der letzten Jahre erörtert werden mit dem Ziel, die Grundideen des städtebaulichen Konzepts für den Alexanderplatz nochmals zu klären und schrittweise zu verwirklichen. 

Zukunft des zum Erliegen gekommenen Hochhausprojektes am Alexa an der Grunerstraße 

Der Stillstand des Bauvorhabens für das Hochhaus am Alexa sollte seitens des Landes für Verhandlungen mit dem Investor und für Veränderungen des Bebauungsplanes genutzt werden. Dieser Hochhausstandort steht in Bezug auf die Sichtbeziehungen von der Karl-Marx-Allee zum Fernsehturm seit langem in der Kritik. 

Die Verhandlungsoptionen reichen von Rückkauf über neue Höhenbegrenzungen (ca. 130 m analog des ehemaligen Hotel Stadt Berlin, zumindest auch schlanker ab 54 m Höhe des Hauses des Lehrers) bis zur Reduzierung der geplanten Nutzungen und Volumina. 

Zukunft des möglichen Hochhauses am Geschäftshaus Saturn an der Alexanderstraße 

Bei dem Projekt nach einem Entwurf von Frank Gehry bestehen bisher keine planungsrechtlichen Festlegungen. Nachdem das Land Berlin Anfang der 2000er Jahre dem Wunsch des Investors nach Verschiebung des Hochhausstandortes innerhalb des neuen Baublocks gefolgt war, ist bisher die notwendige Änderung des Bebauungsplanes nicht erfolgt. Der mögliche Hochhausstandort wird bei Realisierung der bestehenden Planung für den Alexanderplatz Teil eines Hochhausclusters an der Alexanderstraße sein. Daher sollten die Einzelvorhaben in Beziehung zueinander und in ihrer Wirkung auf den Alexanderplatz und den Fernsehturm insbesondere hinsichtlich Höhenentwicklung und Volumina sorgfältig überprüft werden. 

Unsere Forderung: 

Langfristige Sicherung der wesentlichen Sichtbeziehungen und der Silhouettenwirkung des Berliner Fernsehturms als bedeutendes Stadtzeichen mit einem Konzept für künftige Hochhäuser unter Beteiligung der Öffentlichkeit erarbeiten. 

Dem Rat für Stadtentwicklung ist es darüber hinaus ein wichtiges Anliegen, die Gestalt- und Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raumes am Alexanderplatz zu steigern. Im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes Berliner Mitte sind einige Gestaltungsvorhaben im Freiraum in räumlicher Nähe vorgesehen. Diese sollten in einem Gesamtkonzept zusammengeführt werden. Hinzu muss die Stärkung attraktiver öffentlicher und Publikumsnutzungen am Alexanderplatz kommen, z.B. durch ergänzende öffentliche Nutzungen im Kaufhausgebäude und durch die Kuratierung von Freiraumnutzungen jenseits kommerzieller Events. 

Unsere Forderung: 

Stärkung der gestalterischen und funktionalen Qualitäten des Ortes mit einer integrierten Gesamtkonzeption für den öffentlichen Raum.